Warum ist Chlor im Trinkwasser?

Warum ist Chlor im Trinkwasser?

Chlor im Trinkwasser: Warum es eingesetzt wird und wann es problematisch wird

Chlor gehört zu den wirksamsten Mitteln zur Desinfektion von Trinkwasser und wird eingesetzt, um Krankheitserreger zuverlässig abzutöten und die Wasserqualität auch über längere Transportwege hinweg zu sichern. Anders als in vielen anderen Ländern kommt Chlor in Deutschland dabei deutlich sparsamer zum Einsatz – meist gezielt und nicht dauerhaft.

Warum überhaupt gechlort wird

In Deutschland setzen Wasserwerke in erster Linie auf andere Aufbereitungsverfahren wie Filtration oder UV-Desinfektion. Eine Chlorung erfolgt meist nur dann, wenn:

  • eine akute mikrobiologische Verunreinigung im Netz festgestellt wurde
  • nach Rohrbrüchen oder Wartungsarbeiten eine vorübergehende Desinfektion notwendig ist
  • das Wasser über besonders lange oder komplexe Leitungssysteme transportiert wird

Das unterscheidet Deutschland deutlich von Ländern wie den USA, wo Chlor routinemäßig und in deutlich höheren Konzentrationen zur dauerhaften Desinfektion eingesetzt wird.

Ist Chlor im Trinkwasser schädlich?

In den in Deutschland zulässigen, sehr geringen Konzentrationen gilt Chlor im Trinkwasser als gesundheitlich unbedenklich. Zur Einordnung: Bei einem Grenzwert von 0,3 mg/l enthalten 1.000 Liter Wasser  etwa der Inhalt von zehn Badewannen  lediglich einen einzigen Tropfen Chlor.

Empfindliche Personen können dennoch gelegentlich Auswirkungen bemerken, darunter:

  • ein trockener oder leicht chemischer Geschmack
  • ein Kratzen im Hals oder eine Reizung der Schleimhäute
  • in Einzelfällen leichte Magen-Darm-Beschwerden

Diese Effekte treten praktisch ausschließlich bei ungewöhnlich hohen Konzentrationen auf, die deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert liegen und in der Regel nur kurzfristig und mit behördlicher Genehmigung zulässig sind  etwa bei akuter Keimbelastung.

Was bei der Chlorung sonst noch entsteht

Ein Aspekt, der in der Diskussion oft zu kurz kommt: Chlor kann mit organischen Stoffen im Wasser reagieren und dabei sogenannte Desinfektionsnebenprodukte bilden, etwa Trihalogenmethane (THM). Auch für diese gibt es einen eigenen gesetzlichen Grenzwert von 0,05 mg/l, der die Bildung solcher Nebenprodukte in unbedenklichen Mengen hält. Die Trinkwasserverordnung deckt also nicht nur den Chlorgehalt selbst ab, sondern auch dessen mögliche Folgeprodukte.

Grenzwerte im internationalen Vergleich

Deutschland zählt zu den Ländern mit den strengsten Vorgaben für Chlor im Trinkwasser:

  • Deutschland & EU: max. 0,3 mg/l (in Ausnahmefällen bis 0,6 mg/l)
  • USA: deutlich höhere Werte üblich
  • Australien: max. 1 mg/l
  • WHO-Richtwert: bis 5 mg/l gilt als bei lebenslangem Konsum unbedenklich

Diese Gegenüberstellung erklärt auch, warum viele Reisende gechlortes Wasser im Ausland als deutlich intensiver riechend oder schmeckend wahrnehmen als in Deutschland.

Wie sich der Chlorgehalt selbst prüfen lässt

Wer wissen möchte, wie stark das eigene Leitungswasser gechlort ist, hat mehrere Möglichkeiten:

  • Teststreifen: einfache und günstige Methode für eine grobe Einschätzung
  • Digitale Chlormessgeräte: liefern präzisere Werte in mg/l
  • Laboranalyse: für ein exaktes und verlässliches Ergebnis, insbesondere bei anhaltend auffälligem Geruch oder Geschmack

Ein Test lohnt sich besonders dann, wenn das Wasser plötzlich ungewöhnlich riecht oder schmeckt, nach Reparaturarbeiten im Wassernetz eine stärkere Chlorung vermutet wird oder man in einer Region mit häufigeren Wasserverunreinigungen lebt.

Chlor im Wasser reduzieren  so geht's

Wer den Chlorgeschmack im Leitungswasser dennoch loswerden möchte, hat mehrere unkomplizierte Optionen:

  • Wasser stehen lassen: In einem offenen Gefäß bei Raumtemperatur verflüchtigt sich Chlor innerhalb weniger Stunden.
  • Aktivkohlefilter: eine der zuverlässigsten Methoden, die neben Chlor auch andere chemische Rückstände entfernt.
  • Vitamin-C-Filter: eine weniger bekannte, aber wirksame Alternative, bei der Ascorbinsäure Chlor im Wasser bindet.
  • Abkochen: verringert den Chlorgehalt teilweise, ist aber weniger effektiv als die genannten Methoden.

Fazit

Chlor im Trinkwasser erfüllt eine wichtige Schutzfunktion und wird in Deutschland deutlich zurückhaltender eingesetzt als in vielen anderen Ländern. Innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte besteht keine gesundheitliche Gefahr  auffällige Geschmacks- oder Geruchsveränderungen sind meist eine Frage der Gewöhnung, nicht der Sicherheit. Wer dennoch unsicher ist oder eine ungewöhnlich starke Chlorung vermutet, kann den eigenen Wert unkompliziert selbst testen oder eine professionelle Laboranalyse in Auftrag geben.

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